Auch Afrika trauert um Michael Jackson

In Nairobi war es mitten in der Nacht, als die Radiostationen den Tod von Michael Jackson meldeten. Doch bei den Nachtschwärmern, die zu dieser Stunde noch in den Bars und Clubs der kenianischen Hauptstadt unterwegs waren, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. «Mit ihm ist eine Ikone gestorben», sagt der Besitzer eines Nachtclubs auf Nairobis Partymeile. «Er hat die Popmusik neu erfunden, immer wieder in den vergangenen 20, 30 Jahren.» Jacksons Album «Off the wall» habe er 1979 zum ersten Mal aufgelegt. «Und heute lege ich es immer noch auf, hier im Club.»In Afrika war Michael Jackson bis zuletzt unumstrittener «King of Pop», selbst als er in den USA und in Europa wegen seiner Extravaganzen und Skandale nur noch müde belächelt wurde. «Er war der erste schwarze Megastar», erklärt der Barbesucher Peter. «Vor ihm gab es niemanden, und so jemanden wie ihn wird es wohl auch nie wieder geben.» Seine Beliebtheit hängt zudem untrennbar damit zusammen, dass er zu den wenigen Superstars gehörte, die um Afrika keinen Bogen machte.

«Das ist meine Heimat», rief er den wartenden Fans zu, als er mit 14 als Teil der Jackson Five in Senegals Hauptstadt Dakar erstmals afrikanischen Boden betrat. Fast 20 Jahre später kam Jackson wieder, um in einigen Dörfern zum zeremoniellen Oberhaupt gekrönt zu werden.
Unvergessen der Eklat am Flughafen von Abidjan (Elfenbeinküste), als er mit zugehaltener Nase an der wartenden Ehrengarde vorbeirannte, um sich in seine Luxuslimousine zu werfen. Seine Fans sahen bei diesem Besuch kaum mehr von ihm als die getönten Scheiben des Wagens. Doch wirklich sauer war niemand: Solche Kapriolen kennen die meisten Afrikaner von ihren Politikern.

In Nigeria brach ein Radiomoderator vor offenem Mikro schluchzend zusammen, nachdem er Jacksons Tod verkündet hatte. Egal wo in Afrika und unabhängig von musikalischen Trends – überall auf dem Kontinent war Jackson ein Star. «Ich komme aus dem Kongo, bin selber Musiker und ich liebe Michael», ruft François aus, der in einer Hotelbar vor einem leeren Bierglas sitzt. «Alle Generationen lieben ihn, die, die ihm von Anfang an gefolgt sind, und die Jugend.» Südafrikas damals 85-jähriger Volksheld Nelson Mandela war es, der Jackson vor zehn Jahren einen Sonderpreis für sein Lebenswerk bei der Verleihung der Kora-Awards, Afrikas Pendant zum Grammy, überreichte.

Nur mit einer seiner Schrullen stieß Jackson bei seinen afrikanischen Fans auf Unverständnis. Dass er sein Gesicht bleichen und seine Nase verkleinern ließ. «Er war nicht stolz, ein schwarzer Amerikaner zu sein», sagt der Kenianer Joe, nach eigenem Bekunden ein Jackson- Fan. «Er wollte unbedingt ein Weißer sein.» Doch einem feierlichen Abschied wird das nicht im Wege stehen. Clubs und Kneipen kündigten für die Nacht zum Samstag spontane Michael-Jackson-Partys an.

Quelle: epd

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