Der ganz normale Wahnsinn

Eine kleine Geschichte aus meinem letzten Keniabesuch möchte ich hier noch zum Besten geben. Sie passt, glaube ich, auch ganz gut zu der Sextouristgeschichte.
Ich sass an einem Nachmittag mit meiner Freundin im Igelnest in Mtwapa nichts schlimmes ahnend, als es plötzlich einen Knall gab und wir unwillkürlich unsere Köpfe einzogen. Ich schaute danach von der Terasse runter auf die Strasse und sah, daß ein junger Afrikaner gegen einen Strommast gefahren war, der nun recht schräg stehend die Überlandleitung spannte. Ich dachte nur, zum Glück standen dort keine Menschen. Die Krönung war aber, dass sich der Fahrer einen Teufel um den Schaden an seinem Auto und dem Strommast scherte. Nein er stieg aus und ging erstmal auf den Markt einkaufen. Ein ganz typisches Verhalten von Afrikanern, die ja wenig Achtung vor irgendwelchen Werten haben. Meine Freundin sagte mir, dass sie den Fahrer kenne und er eine Schweizerin als Sponsor hat, die sicher auch das Auto bezahlt hat. Also interessiert es ihn ja nicht woher das Geld dafür gekommen ist. Wenn wir uns in Europa tot ärgern wenn uns so ein Unfall passiert, liegt es mit Sicherheit oft daran, dass wir das Geld dafür verdienen und auch sparen müssen. Letzteres kann ohnehin kaum ein Kenyaner. Wenn er Geld in der Hand hat, muss es so schnell wie möglich ausgegeben werden. Und egal ob man 100 € oder 1.000 € sponsort, dass Geld reicht nie bis zum Monatsende. Und da komm ich jetzt  zum Artikel Sextourismus. Afrikaner benötigen ja alles, das fängt beim Handy an über den MP3 Player bis hin zum Laptop. Auch meiner Freundin liess ich eine Digitalcamera da. Nachdem sie ihr, nach fast einem Jahr, gestohlen wurde, fragte ich sie, wieviel Bilder sie denn damit gemacht hat. Ich glaube sie sagte mir 6 oder 8 Fotos in einem Jahr. Also sollte man sich wirklich ernsthaft fragen, was man für Geschenke macht und ob das irgendwie überhaupt nötig ist. In irgend einem anderen Forum las ich dazu folgendes. “So Extradinge erhöhen das Ansehen in der Nachbarschaft zum einen und dienen zum anderen als stille Reserve wenn das Geld wieder ausgegangen ist. Dann werden diese Sachen schnell und weit unter Preis verhökert.”  Zurück zu unserem Unfallfahrer. Er kam dann irgendwann zurück, riss am Kotflügel damit das Rad wieder frei kommt und fuhr davon. Muss mal in Mtwapa einen Freund fragen, ober der Strommast wieder gerade steht. 

Mtwapa am Tag

Über Keniaking

I like tusker

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