Wahrheiten, die mich hätten nachdenklich machen müssen

Da hätten doch die Sirenen dröhnen müssen???

Es war Herbst 2007 und mittlerweile mein dritter oder vierter Besuch bei ihr in Kenia. Wie jedes Mal war sie mit einem Taxi am Flughafen um mich abzuholen. Doch wie es der Zufall will, lernte ich auf diesem Flug eine Kenianerin kennen mit der ich sehr viel geredet habe. Natürlich auch über meine Beziehung mit meiner Hure aus Uganda. Die Frau lebte schon über 10 Jahre in Deutschland und verriet mir einiges aus ihrem eigenen Leben. Mit finanzieller Hilfe von ihrer Familie kam sie 1996 über ein Au-pair Kontakt für ein Jahr nach Deutschland. Natürlich stand auch eines für sie fest. Sie möchte in Europa bleiben und nicht mehr zurück in ihre Heimat. Durch Kontakt mit Landsleuten,  die man ja sehr schnell findet, versuchte sie nun herauszufinden, wie diese es geschafft haben, an eine Daueraufenthaltsgenehmigung in Deutschland zu kommen. Ich werde ihre Worte nie vergessen und frage mich heute, warum ich nicht e i n m a l einer Afrikanerin geglaubt habe.

Sie erzählte mir, was ihr 98% ihrer Tippgeber geraten haben. Such dir einen Trottel Mzungu, lass dich ficken und werde schwanger. Der einfachste Weg um in Deutschland an ein Visa zu kommen und vor allem auch an Geld. „Ja, das habe ich auch versucht“, erzählte sie weiter. „Ich war ja jung und wurde schon ab und zu auch angesprochen. Doch keine Beziehung die ich einging, hat auch funktioniert. Es ging den Männern nur um das Eine, nur mal eine „Schwarze ficken“. Danach waren sie meistens wieder weg. Und all die Girls, die mir die Tipps gaben hatten Beziehungsprobleme, Alkoholprobleme, betrügen ihre Männer oder leben von Stütze“. Ich traute fast meinen Ohren nicht. „Es muss doch für die Menschen, die es geschafft haben nach Europa zu kommen, wie ein Sechser im Lotto sein. Und leben dann so weiter wie in ihrem ersten Leben?

können Afrikaner uns so belügenSie lächelte und sagte: „Probier es doch mal aus in Mombasa. Sprich jemanden an, wo du genau weißt er kommt von der Arbeit und versuche mal ihn zum Essen einzuladen. Er wird dich nicht beachten oder dankend ablehnen“ „Bin ich hier im falschen Film“ dachte ich und grub natürlich weiter nach Antworten von ihr.

„Vergiss doch die Jambo-Singer an der Nord – und Südküste“ erzählte sie weiter, „oder auch die wirklich vielen Armen aus dem Hinterland, die gar nichts haben. Sie verkaufen dir ihre Kinder, der Preis ist verhandelbar, doch dann müssen du und dein Partner die moralische Verpflichtung übernehmen und für deren Unterhalt aufkommen. Willst du das? Und die Jambo-Singer, Huren und Beachboys. Wie alt ist denn deine ugandische Freundin?“ Ich überlegte und sagte, „Ja, 22 Jahre jünger als ich, 24 Jahre alt“. „Nun, dann hat sie ja noch 4-5 Jahre Zeit hier an der Küste zu arbeiten und einen Idioten zu finden der sie rausholt. Willst du das sein?“

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Ich schwitzte im Sitz trotz Klimaanlage im Flieger. Wir nähern uns langsam Mombasa, und all meine Vorfreude auf die Landung, die ich auf früheren Flügen an dieser Stelle immer hatte, blieb diesmal völlig aus. „Ich will dir noch etwas sagen“. „Ich habe es aus eigener Kraft geschafft, ohne meine Muschi. Meine Gastfamilie hat mich da voll unterstützt, nicht nur finanziell. Ich konnte mein Visa verlängern mit einem FSJ im Altersheim, habe wie blöd gebüffelt um richtig Deutsch zu lernen und dann durch meinen Arbeitgeber die Möglichkeit bekommen, ein kleines Studium zu machen und erfolgreich abzuschließen.“ Ich nickte ihr anerkennend zu. „Aber das  Wichtigste, was ich während meiner Zeit in Deutschland gemacht habe, war der Kontaktabbruch zu sämtlichen afrikanischen Freunden. Denn denen waren Sprache, Kultur des Landes oder Respekt vor anderen Menschen scheißegal. Das hat mir nicht unbedingt Sympathien eingebracht aber es hat mein Leben in völlig neue Bahnen gelenkt.”
Wir setzten langsam zur Landung an und schnallten uns fest. Sie legte ihre Hand auf meinen Arm und sagte: „Wir werden gut runterkommen, Landen ist für mich immer der Horror“. Ich lächelte zurück. Meine Gedanken kreisten jetzt irgendwo rum. „Ich würde gerne einen deutschen Mann haben und eine kleine Familie mit gegenseitigem Respekt,“ sagte sie plötzlich mit gesenkter Stimme, „doch mir geht es in Deutschland genauso wie dir in Kenia, Ulf. Man bekommt nur den Schrott. Kein deutscher Mann mit Verstand und Familiensinn will in Europa eine Afrikanerin heiraten.“
Kannst du in diesem Moment meine Gedanken erraten lieber Leser? Wir ließen die Passkontrolle hinter uns und kamen nun auf den Vorplatz. Meine Madam winkte mit einer Flasche Wasser und kam auf mich zu. Meine Gesprächspartnerin aus dem Flieger sagte ihr im Vorbeigehen ein paar Worte auf Kiswaheli. Oje, ich hatte es nicht verstanden, es muss aber etwas mit unserem Gespräch zu tun gehabt haben, denn meine Madam fing an rumzuzicken und war auf einmal gar nicht mehr so freundlich. Kwenda Huko, ist das einzige was ich verstanden hatte und das bedeutet soviel wie „Verschwinde“. Auf der Fahrt nach Mtwapa fiel kein Wort zwischen uns. Im Moment würde ich am liebsten wieder heimfliegen.
Schade, dass ich den Kontakt mit meiner Flugbegleiterin verloren habe.

Wie wäre mein Leben sonst vielleicht weiter verlaufen?

                              




3 Kommentare zu Wahrheiten, die mich hätten nachdenklich machen müssen

  1. Micka sagt:

    Tja – die Liebe kann so schön sein , wenn man denn die richtige findet !! Leider kann man da drauf aber lange warten ; denn die kompatibelen Topfdeckel , die ja angeblich auf jeden Topf paßten , sind leider ausverkauft & werden in diesen & auch im nächsten Leben nicht mehr produziert !!

  2. Anita sagt:

    Aber wenn die liebe grosser ist als der verstand. nachher ist man immer klüger.

    • admin sagt:

      Tja, liebe Anita, das Verrückte an meiner Geschichte war ja eigentlich gerade das, dass ich nie Gefühle investiert hatte. Ich habe einfach nur die Wochen, zusammen mit Ihr und in Kenia und Uganda, das Leben genossen. Ich wußte damals ganz genau, dass ich nie wieder so eine Frau finden werde, die ich wegen ihr verlassen habe. Auch hier in Deutschland hat sich da nicht viel geändert, bis zum dem Zeitpunkt wo die Kinder da waren. Da waren meine Gefühle sowieso nur für diese da.

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