Weihnachten – der Unterschied

So, es ist geschafft. Die Feiertage sind vorbei. Schön wars, wie jedes Jahr               oder?????            Ich habe Zeit darüber nachzudenken.

Natürlich war alles SUPER. Der schön geschmückte und beleuchtete Christbaum, die vielen Süßigkeiten wie Lebkuchen, Plätzchen und Schokoweihnachtsmänner.   Die vielen Geschenke in buntem, farbenprächtigem Papier und nicht zu vergessen, das üppige Essen an den Feiertagen. Klar sind jetzt einige Kilos Übergewicht nicht zu übersehen, aber macht doch nichts. Wir brauchen doch gute Vorsätze für das Jahr 2010. Das Abnehmen hat natürlich Vorrang. Logisch, die Kilos müssen ja weg, damit man nächstes Jahr wieder zusetzen kann.  Leben wir nicht in einem widersinnigem Europa?  Ein weiteres Beispiel.  Gibt es doch ab dem 1. Weihnachtsfeiertag in Köln auf dem Domplatz, eine Tauschbörse. Alle unzufriedenen Geschenkeempfänger können dort hingehen und ihren Ramsch gegen anderen Ramsch eintauschen. Oder: Gestern Abend verbreitete die ARD in den Nachrichten, dass ca. 1 Milllion Geschenkumtauschaktionen erwartet werden!!!!! Ich frage mich, wie viel solcher Umtauschaktionen es wohl in Kenya gibt, wieviel im Unverstand angefutterte Kilos die in Kenya lebenden Menschen abnehmen wollen? War da nicht irgendwann mal die Rede von einer Krise, nicht nur in Deutschland, nein in ganz Europa, oder sogar weltweit? Sorry,  in Anbetracht der Situation fällt es mir sehr schwer, diese Krise ernst zu nehmen.  Noch ein Beispiel: Noch nie zuvor sah ich so viel wunderschön beleuchtete Geschäfte, ganze Strassenzüge, und dieses Jahr auch in einem nie zuvor gesehenen Ausmaß, Gärten und Privathäuser. Mir kommt es so vor, als ob viele dieser Häusleschmücker unter akuter Geschmacklosigkeit leiden. Nicht schön, nur möglichst viele Lichter müssen es sein. In der Strasse, in der ich wohne, könnte die Gemeinde getrost die Strassenbeleuchtung ausschalten, so viele beleuchtete Sträucher, Büsche, Bäume, Gartenzäune, Balkongeländer, Fenster, Haustüren, Blumentöpfe und Drahtgestelle u.s.w. gibt es.  War da nicht erst vor kurzem irgend so ein Treffen, bei dem über Klimaschutz und Energieeinsparung geredet wurde? Wird nicht seit Jahren über steigende Strompreise in Deutschland gejammert? Die nächste Strompreiserhöhung steht im Januar 2010 an. Macht ja nichts, wir können ja sparen, das ganze Jahr lang. Aber in der Adventszeit, darf man schon die eine oder andere Lichterkette brennen lassen. Es ist ja sooo schön. Je mehr ich nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass mit mir irgend etwas nicht stimmt. Wieso vermisse ich diese simple ” Merry Christmas and a happy new year” , mit einer Sprühdose an die Fenster des Moi – Airports gesprüht, um den Touris zu vermitteln, ja, auch wir in Kenya feiern Weihnachten. Warum empfinde ich dieses ganze Weihnachtsbrimborium in Deutschland so erdrückend? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eins, ich vermisse mein schmuckloses Kenya sehr, ich vermisse die Sonne, die Wärme, ich vermisse diese bescheidenen Menschen, ich vermisse am 25.Dezember die Miss – Casaurina – Wahl, ich vermisse mit meinem Nachbarn eine Flasche Schnaps zu lehren, nein, nicht weil Weihnachten ist, einfach nur so, weil wir uns gut verstehen. Und ich werde an Silvester meinen Bamburi – Beach vermissen, nein, nicht die unzähligen Raketen, die in Deutschland in Sekunden verballert werden, aber die Musik, nein auch nicht die Hitparadenstürmer, nein ich spreche über Musik, die mir gefällt. Und das ist nun mal Lingala, Ndombolo, Soukous, Lisanga oder einfach nur gute Swahili – Musik. Ich mag Ali B, Tony Yadundo u.s.w., aber ich mag nicht: Tokio Hotel (grausig) Silbermond….  Liebe Fans von Tokio – Hotel, nehmt es mir nicht krumm, aber Geschmäcker sind nun mal unterschiedlich. Ich werde in der Silvesternacht das Pirates, das Black Havanna, das Casaurina (nicht das Tembo) vermissen. Ich werde vermissen dort zu tanzen, zu trinken, zu feiern, um dann irgendwann gegen morgen, völlig durchgeschwitzt, nach Hause zu gehen. Nein, es stört mich nicht, wenn ich auf meinem Nachhauseweg nasse Füße vom letzten Regenguß bekomme. Ja ich vermisse mein Kenya, mehr als meine Frau und mein Sohn.  Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch und mögen all Eure Wünsche für 2010 in Erfüllung gehen.

Alexis 

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Ein Kommentar zu Weihnachten – der Unterschied

  1. admin sagt:

    Hallo Alexis, vielen Dank für deinen sehr nachdenklich machenden Beitrag. Ich kann dem eigentlich nur zustimmen. Obwohl mein Herz eher für Uganda schlägt, ja auch ich habe in 2006 in Kenya mein Lachen wieder gefunden, doch das lag nicht an meinem gutbezahlten Job, der nur Stress war,an meiner tollen Wohnung für die ich mich damals jeden Morgen aus dem Bett gequält habe um die Miete zahlen zu können. Nein es waren genau die Plätze die du beschreibst, wo man einfach nur Mensch sein kann und mit Freunden ein paar Tusker und Kenya Caine trinkt. Und wieviel Spass haben wir doch immer im Casaurina oder auch Tembo gehabt. Und heut, wo ich in meiner Multikulti-Beziehung hier in Deutschland lebe, genieße ich ihre afrikanische Gemütlichkeit, und wie sie über unsere Mülltrennung lächelt, den Weihnachtsbaum vollgehängt hat, dass keine Nadeln mehr zu sehen waren. Ja genau das ist es, was ich die Jahre vorher vermisst habe.

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